03.03.2018: Etwa 4.500 Menschen ziehen durch Kandel

Etwa 4.500 Menschen ziehen durch Kandel

Rund zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 15-jährigen Mädchens im südpfälzischen Kandel sind am Samstag vier Demonstrationen durch die kleine Stadt gezogen. Die Veranstaltungen waren am Nachmittag gestartet und blieben laut Polizei ohne größere Störungen.

An den Kundgebungen nahmen nach Polizeiangaben insgesamt etwa 4.500 Menschen teil. Dabei sei es auch zu Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Es habe zwei Festnahmen wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot gegeben. Außerdem habe jemand eine Flasche geworfen. Größere Störungen hätten aber verhindert werden können. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften vor Ort.

Weiße Luftballons in den Himmel

Nach Schätzungen der Polizei folgten die meisten der Teilnehmer dem Demonstrationsaufruf einer AfD-Politikerin. Bei der Demonstration wurden unter anderem die „Schließung der deutschen Grenze“ und der Rücktritt des Verbandsbürgermeisters gefordert. Gegen rechtsgerichtete Aktionen in der Stadt hatte sich vor wenigen Tagen ein Netzwerk namens „Wir sind Kandel“ gebildet, in dem sich Vereine, Parteien, Kirchengemeinden und Einzelpersonen zusammenschlossen. Die Initiatoren wollen nicht zulassen, dass ihre Stadt zu einem „Aufmarschgebiet“ von Rechtsextremen wird. Einige Hundert demonstrierten gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Aktiven ließen dazu symbolisch weiße Luftballons in den Himmel steigen.

Eine weitere Demo hatte der Mannheimer Marco Kurz angemeldet, der als Teil der rechten Szene gilt. Er hatte bereits Ende Januar eine Kundgebung mit dem Titel „Kandel ist überall“ in der südpfälzischen Stadt veranstaltet. Zugleich wandte sich ein „Aktionsbündnis gegen Rassismus“ gegen ausländerfeindliche Hetze, wie es auf dessen Internetseite hieß.

Immer wieder Demonstrationen und Mahnwachen

„Ich sehe mit Erschrecken, wie hier eine Tat für pauschalen Fremdenhass instrumentalisiert wird,“ hatte Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz Malu Dreyer die Proteste im Vorfeld kommentiert. Sie stehe an der Seite von Bürgern aus Kandel, die sich unter dem Motto „Wir sind Kandel“ für Miteinander und gegen Hass engagierten.

In Kandel war im Dezember die 15-jährige Mia erstochen worden. Der mutmaßliche Täter ist der Ex-Freund des Mädchens, ein Flüchtling aus Afghanistan. Er sitzt in Untersuchungshaft. Seit dem gewaltsamen Tod der Schülerin kommt es immer wieder zu Demonstrationen und Mahnwachen in dem Ort.